Unser Jahr 2020 – Arbeit unter besonderen Bedingungen

24. März 2021

Ein ungewöhnliches Jahr liegt hinter uns. Nichts war so, wie in den Jahren vor der Corona-Pandemie, viele geplante Aktivitäten mussten ausfallen oder wurden vertagt.

Zunächst begann das Jahr nach Plan mit Klassenvorspielen, kleineren Konzerten, einem festlichen Geburtstagskonzert der Clara-Schumann-Chöre und ehemaliger Chormitglieder zum 50. Geburtstag der Chorleiterin Frau Franzke in der Kirche Friedrichsfelde, dem Werkstattkonzert der Fachgruppe Rock/Pop/Jazz im Kulturhaus Karlshorst und –

Preisträger Schostakowitsch-Wettbewerb 2020

– dem 10. Schostakowitsch-Wettbewerb, bei dem 15 erste Preise und vier Schostakowitsch-Sonderpreise wieder von einem hohen Niveau der musikalischen Ausbildung durch unsere Lehrer:innen zeugen.

Viele weiteren Aktivitäten und monatelang auch der Unterricht mussten dann entfallen, der Lockdown machte eine normale Arbeit der Kolleg:innen ab März unmöglich. Alternativen mussten gefunden werden. Die Lehrer:innen begannen engagiert, ihre Schüler:innen von zu Hause online zu unterrichten – eine ganz neue Unterrichtsform an unserer Musikschule.

Ab dem 18. Mai 2020 war es dann wieder möglich, Präsenzunterricht an unseren Standorten zu geben – unter besonderen Hygienebedingungen. Insgesamt konnte 80% des Gesamtangebotes der Musikschule wieder problemlos direkt in den Standorten stattfinden. Ensembleproben, das Instrumentenkarussell und auch Kurse der Musikalischen Früherziehung waren vor Ort aber weiterhin nicht möglich.

Musikalische Früherziehung in den Kindertagesstätten Lichtenbergs

Das größte Problem stellte und stellt auch weiterhin der für Lichtenberg außerordentlich bedeutende Bereich der Musikalischen Früherziehung in den Kitas dar. Große Kitaträger wie der Kitaeigenbetrieb Nordost oder die Volkssolidarität ließen keine „externen“ Personen in ihre Einrichtungen. Damit waren den Lehrer:innen nur alternative Unterrichtsformen möglich. Die Bandbreite reichte von Online-Unterricht über das Schicken von Links zu Mitsingeliedern für die Kinder bis zur aufwändigen Produktion von Lehrvideos, die dann an die Kitas geschickt werden, Auf diese Art konnte der Kontakt zu den Einrichtungen größtenteils gehalten und den Kindern weiterhin eine Beschäftigung mit musikalischen Inhalten möglich gemacht werden.

Ensemblearbeit

Ein wesentlicher Schwerpunkt für die Arbeit in 2020 sollte der weitere Ausbau der Ensemblespielmöglichkeiten für unsere Musikschüler:innen sein. Das Musizieren in Ensembles fördert wichtige Sozialkompetenzen bei den Heranwachsenden und wirkt sich sehr motivierend auf den Einzelunterricht aus. Gerade für die jüngeren Mitglieder unserer Ensembles ist das wöchentliche Zusammenkommen sehr wichtig und gehört zu ihrem Wochenablauf.

Dank des großen Engagements unserer Ensembleleiter:innen und der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Ensemblemitglieder ging die Arbeit der Chöre, Bands und Orchester erfolgreich weiter. Hier einige Beispiele:

Für unsere Ensembles war es zunächst nur durch Aufteilung in kleinere Gruppen möglich zu proben. Da die Musikschule leider über zu wenig größere Unterrichtsräume verfügt, wurden Kooperationen mit der Trabrennbahn Karlshorst zur Nutzung der Tribüne und des Saales und mit der Landesmusikakademie Berlin im FEZ geschlossen, um auch Proben für große Ensembles unter den geltenden Abstandsregeln möglich zu machen.

Der Clara-Schumann-Kinder- und Jugendchor probte im Lockdown insgesamt 126-mal online. Das Lied „Zusammen sind wir stark“ wurde dabei aus individuellen Aufnahmen der einzelnen Chormitglieder anlässlich der Kinderchortage 2020 in Halle (Saale) zu einem Virtual Chor Video zusammengeschnitten. Insbesondere rhythmische Übungen mit und ohne Instrumente und sprecherzieherische Übungen standen während der Lockdowns auch im Mittelpunkt.

Das Großprojekt des Schostakowitsch-Sinfonieorchesters, den 1. Satz aus Schostakowitschs Leningrader Sinfonie bei den Bezirksfeierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung aufzuführen, musste abgesagt werden. Trotzdem wurde intensiv online weitergeprobt. Alle von den Mitspielenden nach und nach eingesendeten Aufnahmen ihres Parts wurden zusammengeschnitten und so konnte die Sinfonie virtuell hörbar werden.

Ein für Dezember geplantes Streaming-Konzert als Ersatz für die entfallenen Weihnachtskonzerte musste kurzfristig abgesagt werden. Trotz all dieser schwierigen Voraussetzungen konnten die Orchester und Chöre Zuwachs in ihren Reihen verzeichnen und kommende Großprojekte im Jahr 2021 vorbereiten.

Das Weltmusikensemble probte online und produzierte kleine Videos.

Konzerttätigkeit

– Konzerte in Seniorenheimen

Schüler:innen und Lehrer:innen der Musikschule gaben während der Corona-Pandemie 55 kleine Konzerte in Seniorenheimen. Die Bewohner:innen der Senioreneinrichtungen erfreuten sich an den musikalischen Darbietungen und die Musikschüler:innen konnten ihr Erlerntes einem interessierten Publikum darbieten. Damit stellt dies eine gute Ergänzung des Unterrichtsangebotes dar – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Musikschule in ihren Häusern derzeit keine Klassenvorspiele durchführen kann, da die Vorspielräume für Ensembleproben unter den Corona-Abstandsregelungen benötigt werden.

– Draußenstadt-Konzerte

Unterstützt vom „Draußenstadt“- Projekt der Senatsverwaltung für Kultur und Europa (Soforthilfe für Künstler:innen zur Bewältigung der Corona-Krise des Senats für Kultur und Europa) veranstaltete die Musikschule zwei „Fensterkonzerte“ am 4. und 11. Dezember vormittags am Standort Karlshorst. Drei Stunden musizierten Lehrer:innen der Musikschule und auch Gastmusiker vorwiegend weihnachtlich für das Karlshorster Laufpublikum. Die großen Fenster des Schostakowitsch-Saales wurden dabei geöffnet und aus dem Saal erklangen für die Passierenden oder auf dem S-Bahnhof Karlshorst wartenden Personen weihnachtliche Klänge im klassischen oder auch jazzigen Gewand.

Erneuter Lockdown

Ab dem 16. Dezember mussten die Standorte der Musikschule dann wieder für sämtlichen Publikumsverkehr schließen. In der Vorweihnachtszeit wurde trotzdem weiter kreativ an besonderen Projekten gearbeitet.

Die Gesangsklasse von Dominique Lacasa nahm zum Beispiel individuell Video- und Audio-Mitschnitte zu Hause auf. Alles wurde dann von Klavierlehrer und Korrepetitor Mark Wenzel bearbeitet und zusammengeschnitten. Das Video mit einem – nun mehrstimmig gesungenen und instrumental begleiteten Weihnachtslied wurde dann an die Eltern und Familien der Schüler:innen geschickt und erfreut zur Kenntnis genommen.

Durch die sehr engagierte Arbeit der Musikschuldozent:innen unserer Musikschule während der Schließung sind uns die Schüler:innen erfreulicherweise zum größten Teil treu geblieben. Alternative Unterrichtsangebote wie Onlineunterricht, intensive telefonische Betreuung, Mailkontakte, Lehrvideo-Erstellungen wurden von allen sehr dankend und lobend angenommen.

Fotos: Hariette Scherat | private Aufnahmen durch Eltern (Vielen Dank!) | Screenshots